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noch’n gedicht

abend am meer

ein letzter schimmer goldener sonnenglut
taucht zitternd in das abendstille meer.
noch einmal flammt der himmel fernseher,
dann sinkt die nacht; und leise steigt die Flut.

der kühle hauch tut meiner stirne gut;
die herbe seeluft atmet sich nicht schwer
und mit der Welle ew’ger wiederkehr
gewinnt auch meine seele neuen mut.

eintönig rauscht der Brandung stetes schwellen
wie linder herzschlag her vom nahen strand,
den früh erwachte sterne mild erhellen.

wie dankbar bin ich, daß ich vor dem grellen,
schmerzhaften licht des tages ruhe fand!
so lieg ich still. und träume mit den wellen…

rolf schoch (norderney 1949)